Fachbeitrag

Tiefenpsychologisch fundierte Therapie

Tiefenpsychologisch fundierte Psychotherapie

Der Ausdruck tiefenpsychologisch fundierte Psychotherapie findet sich so nur in den deutschen Psychotherapierichtlinien. International wird eher von psychodynamischer Therapie gesprochen. Tiefenpsychologisch fundierte Psychotherapie fußt auf der psychoanalytischen beziehungsweise psychodynamischen Theorie. Diese grundsätzliche Verbindung zur Tiefenpsychologie und ihrem Sprachgebrauch gilt als maßgebend. In der konkreten Gestaltung der Behandlung sind die tiefenpsychologisch fundierten Therapeuten:innen sehr frei. Im Gegensatz zur Psychoanalyse findet sie im Sitzen mit höchstens zwei, meistens einer Stunde pro Woche statt. Dieses Setting begrenzt die Regression und die Übertragungsentwicklung auf die Psychotherapeut:in. Der Fokus liegt auf den aktuellen Konflikten des Patient:innen und ihrer tiefenpsychologischen Wurzeln. Getragen wird diese Arbeit von einer abwartend-fragenden Haltung und von den Interventionen Klarifizieren, Konfrontieren und Deuten, die das tiefenpsychologische Vorgehen kennzeichnen.

Tiefenpsychologisch fundierte Therapie

Tiefenpsychologisch fundierte Psychotherapie Ablauf

Für gesetzlich versicherte Erwachsene sind vor einer tiefenpsychologisch fundierten Psychotherapie zwei bis vier probatorische Sitzungen von jeweils 50 Minuten vorgesehen. Dabei klären Sie gemeinsam die Diagnose, die Eignung des Verfahrens und die persönliche Zusammenarbeit. Eine Kurzzeittherapie wird in zwei Schritten mit jeweils bis zu zwölf Therapieeinheiten beantragt. Bei einer Langzeittherapie sind im ersten Schritt bis zu 60 Therapieeinheiten möglich, bei einer Fortführung in Einzeltherapie insgesamt bis zu 100. Eine Langzeittherapie kann bei entsprechender Indikation auch direkt beantragt werden. Für die Akutbehandlung stehen bis zu 24 Einheiten von jeweils 25 Minuten zur Verfügung; diese werden auf eine anschließende Kurz- oder Langzeittherapie angerechnet. Für Kinder und Jugendliche sowie für Gruppentherapie gelten teilweise andere Kontingente.

Quelle: KBV - Kontingente für Erwachsene

Tiefenpsychologisch fundierte Psychotherapie Wirkfaktoren

Der größte therapeutische Wirkfaktor einer Psychotherapie liegt nach übereinstimmender Meinung in der Beziehung zwischen Therapeut:in und Patient:in. Dabei wird vorausgesetzt, dass die Beziehung von der Patient:in als hilfreich und wertschätzend erlebt und geschätzt wird. Wird eine tiefenpsychologisch fundierte Psychotherapie beendet, melden Patient:innen häufig zurück, dass es für sie sehr hilfreich war, die Therapeut:in als jemand zu erleben, der ihnen aufrichtig weiterhelfen wollte. Dieses sogenannte supportive Element scheint seine Wichtigkeit auch in entsprechenden Untersuchungen (zum Beispiel von Lester Luborsky) zu bestätigen. Das Hilfreiche einer therapeutischen Beziehung gründet jedoch nicht nur in allgemeinem menschlichem Wohlwollen. Erst mit dem fachspezifischen und praxisorientierten Methodenwissen und der langen und intensiven Ausbildung strahlt der Therapeut die Sicherheit aus, durch die sich die Patient:innen in ihrer Not gehalten fühlen können und es zu wirksamen therapeutischen Veränderungen kommen kann.

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Sabine Haase